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Auf einen Blick

Nachhaltige Forschung verbindet wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung mit dem Schutz natürlicher Ressourcen und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Leibniz-Gemeinschaft gehört mit ihren 97 Instituten zu den treibenden Kräften der grünen Wissenschaft in Deutschland. Umweltforschung, klimaresistente Ökosystemstudien und ressourcenschonende Labormethoden sind dabei keine Zukunftsmusik – sie passieren gerade jetzt. Wer verstehen will, wie Wissenschaft nachhaltig wird, ist hier genau richtig.

Nachhaltige Forschung ist der Versuch, Wissen zu schaffen, ohne dabei die Grundlagen zu zerstören, auf denen zukünftige Generationen aufbauen müssen. Klingt selbstverständlich? Ist es leider nicht. Noch vor zwanzig Jahren galten Labors als Orte, die Chemikalien verbrauchten, Energie verschlangen und Abfall produzierten – ohne groß darüber nachzudenken. Das hat sich geändert. Und die Leibniz-Gemeinschaft spielt dabei eine Hauptrolle.

Was ist nachhaltige Forschung – und warum jetzt?

Nachhaltige Forschung bezeichnet wissenschaftliche Arbeit, die ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil des Forschungsprozesses begreift – nicht als nachträgliches Feigenblatt. Das bedeutet: ressourcenschonende Methoden, transparente Datenpraktiken, gesellschaftlich relevante Fragestellungen und ein bewusster Umgang mit dem CO₂-Fußabdruck der Wissenschaft selbst.

Der Druck kommt von mehreren Seiten gleichzeitig. Fördergeber wie die DFG oder die EU verlangen zunehmend Nachhaltigkeitsnachweise. Studierende und Nachwuchsforscher wählen ihre Institute nach ethischen Kriterien aus. Und nicht zuletzt: Die Klimakrise macht Umweltforschung zur dringlichsten Aufgabe unserer Zeit.

Gut zu wissen: Der Begriff „Green Lab" bezeichnet Labore, die ihren Energie- und Ressourcenverbrauch systematisch reduzieren. Das My Green Lab Certification Program, ursprünglich aus den USA, hat mittlerweile auch in deutschen Forschungseinrichtungen Fuß gefasst – darunter mehrere Leibniz-Institute.

Die Leibniz-Gemeinschaft und ihre Nachhaltigkeitsstrategie

Die Leibniz-Gemeinschaft Deutschland hat 2021 eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Das klingt bürokratisch, ist aber tatsächlich bemerkenswert: 97 Institute, verteilt über ganz Deutschland, verpflichten sich gemeinsam zu messbaren Zielen. Nicht als PR-Maßnahme, sondern als strukturelle Transformation.

Konkret bedeutet das: Bis 2030 soll der CO₂-Ausstoß der Gemeinschaft um 40 Prozent gegenüber 2019 sinken. Dienstreisen werden durch digitale Formate ersetzt, wo immer es geht. Beschaffungsrichtlinien schreiben nachhaltige Produkte vor. Und Forschungsthemen werden explizit auf ihre gesellschaftliche Relevanz geprüft.

Welche Institute führen die Bewegung an?

Nicht alle 97 Institute sind gleich weit. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin etwa forscht seit Jahrzehnten zu Süßwasserökosystemen und deren Gefährdung. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) – assoziiertes Mitglied – liefert die wissenschaftliche Grundlage für internationale Klimaverhandlungen. Das Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung dokumentiert den Verlust biologischer Vielfalt mit einer Präzision, die weltweit ihresgleichen sucht.

Diese Institute zeigen: Grüne Wissenschaft ist kein Selbstzweck. Sie produziert Erkenntnisse, die politische Entscheidungen verändern.

Methoden der modernen Umweltforschung

Wer sich fragt, wie Umweltforschung bei der Leibniz-Gemeinschaft konkret aussieht, bekommt keine einfache Antwort – weil die Bandbreite enorm ist. Von molekularbiologischen Analysen im Nanometerbereich bis zu satellitengestützten Landschaftsbeobachtungen reicht das Spektrum.

Fernerkundung und Big Data

Satellitendaten revolutionieren die Ökosystemforschung. Was früher Feldkampagnen mit Dutzenden Wissenschaftlern erforderte, lässt sich heute mit Algorithmen aus Terabytes an Fernerkundungsdaten extrahieren. Das spart nicht nur Ressourcen – es ermöglicht globale Analysen, die früher schlicht unmöglich waren.

Citizen Science als nachhaltige Methode

Bürgerwissenschaft ist mehr als ein Trend. Wenn Tausende Freiwillige Vogelbeobachtungen melden, Insekten fotografieren oder Wasserproben nehmen, entsteht eine Datendichte, die kein Forschungsbudget der Welt allein finanzieren könnte. Gleichzeitig stärkt Citizen Science das Bewusstsein für Umweltthemen in der Bevölkerung. Ein doppelter Gewinn.

Tipp: Du willst selbst zur nachhaltigen Forschung beitragen? Plattformen wie iNaturalist oder das NABU-Insektenmonitoring ermöglichen es jedem, wissenschaftlich verwertbare Daten zu liefern – ohne Studienabschluss, ohne Labor, einfach mit dem Smartphone.

Konventionelle vs. nachhaltige Forschung: Ein Vergleich

Wie groß ist der Unterschied zwischen klassischer und nachhaltiger Forschungspraxis wirklich? Die folgende Tabelle zeigt es anhand konkreter Kriterien:

Kriterium Konventionelle Forschung Nachhaltige Forschung
Energieverbrauch (Labor) Ø 100 kWh/m² pro Jahr Ø 55–70 kWh/m² pro Jahr (Green Lab)
Einwegplastik Hoher Verbrauch, kaum Recycling Mehrwegmaterialien, Recyclingprogramme
Dienstreisen Häufige Flugreisen zu Konferenzen Hybridformate, Bahnprimat unter 6h
Datentransparenz Oft proprietär, schwer zugänglich Open Data, FAIR-Prinzipien
Gesellschaftliche Relevanz Selten explizit bewertet Teil des Förderantrags (z. B. EU Horizon)
CO₂-Fußabdruck (Ø Projekt) Nicht systematisch erfasst Pflichtangabe bei vielen Fördergebern
Chemikalienmanagement Reaktiv (Entsorgung nach Bedarf) Proaktiv (Substitution, Minimierung)

Die Zahlen sprechen für sich: Ein Green Lab verbraucht bis zu 45 Prozent weniger Energie als ein konventionelles Labor. Bei einem mittelgroßen Institut mit 50 Labors summiert sich das auf Einsparungen im sechsstelligen Euro-Bereich – jährlich.

Nachhaltige Forschung finanzieren: Was du wissen musst

Gute Wissenschaft kostet Geld. Nachhaltige Wissenschaft kostet manchmal etwas mehr – zumindest in der Anfangsinvestition. Wer ein Green Lab aufbaut, investiert in energieeffiziente Geräte, Schulungen und Zertifizierungen. Langfristig rechnet es sich. Aber wie kommt man an die nötige Finanzierung?

Die gute Nachricht: Förderprogramme für nachhaltige Forschung haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. EU Horizon Europe schreibt Nachhaltigkeit als Querschnittsthema vor. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat eigene Förderschienen für Umweltforschung. Und die Leibniz-Gemeinschaft selbst vergibt interne Mittel für Nachhaltigkeitsprojekte.

Mehr dazu, wie Forscher ihre Projekte strukturell absichern, erfährst du in unserem Artikel zur Kreditfinanzierung für Wissenschaft. Und einen umfassenden Überblick über den deutschen Forschungsalltag bietet unser Beitrag zu wissenschaftlichen Forschungsprojekten in Deutschland.

Schritt für Schritt: So wird dein Labor nachhaltiger

Du arbeitest selbst in einem Labor oder leitest eine Forschungsgruppe? Dann ist dieser Abschnitt für dich. Die Transformation zum Green Lab muss nicht über Nacht passieren. Aber sie muss anfangen.

  1. Bestandsaufnahme durchführen: Erfasse den aktuellen Energie- und Ressourcenverbrauch deines Labors. Viele Einrichtungen bieten dafür interne Audits an. Ohne Datenbasis keine Verbesserung.
  2. Größte Verbrauchstreiber identifizieren: Ultratiefkühlschränke (-80°C), Autoklaven und Abzüge sind die größten Energiefresser. Hier lässt sich am meisten einsparen.
  3. Geräte optimieren: Ultratiefkühlschränke auf -70°C umstellen (spart bis zu 30% Energie ohne Qualitätsverlust). Abzüge nachts schließen. Geräte mit Energiesparfunktion bevorzugen.
  4. Beschaffung umstellen: Nachhaltige Lieferanten bevorzugen. Chemikalien teilen statt doppelt bestellen. Einwegplastik durch Mehrweglösungen ersetzen, wo möglich.
  5. Team einbinden: Nachhaltigkeit funktioniert nur als Teamkultur. Workshops, klare Zuständigkeiten und sichtbare Erfolge motivieren. Ernenne eine „Green Lab Champion"-Person in deiner Gruppe.
  6. Zertifizierung anstreben: My Green Lab, ISO 14001 oder das Deutsche Nachhaltigkeitszertifikat für Forschungseinrichtungen geben deinen Bemühungen Sichtbarkeit – intern und extern.
  7. Fortschritt dokumentieren und kommunizieren: Halte Einsparungen fest. Teile Erfolge im Institut. Was gemessen wird, wird verbessert.

Die Zukunft der grünen Wissenschaft

Wo steht nachhaltige Forschung in zehn Jahren? Ich bin überzeugt: Sie wird der Standard sein, nicht die Ausnahme. Die Gründe dafür sind strukturell. Fördergeber verlangen es. Nachwuchswissenschaftler erwarten es. Und die Gesellschaft, die Wissenschaft finanziert, hat ein berechtigtes Interesse daran, dass Forschung nicht selbst zum Umweltproblem wird.

Besonders spannend ist die Frage, wie künstliche Intelligenz die Nachhaltigkeit der Forschung verändert. KI-gestützte Laborautomatisierung kann Experimente optimieren, Ressourcenverschwendung minimieren und Ergebnisse schneller auswerten. Gleichzeitig verbrauchen KI-Systeme selbst erhebliche Mengen an Energie – ein Widerspruch, der noch aufgelöst werden muss.

Die Leibniz-Gemeinschaft hat hier eine Chance, Vorreiter zu sein. Mit ihrer Breite an Disziplinen – von Wirtschaftswissenschaften über Biologie bis zur Geisteswissenschaft – kann sie Nachhaltigkeitsfragen aus Winkeln beleuchten, die monodisziplinäre Einrichtungen schlicht nicht erreichen.

Gut zu wissen: Die EU hat im Rahmen von Horizon Europe das Konzept der „Mission-oriented Research" eingeführt. Fünf große gesellschaftliche Missionen – darunter Klimawandel, gesunde Ozeane und klimaneutrale Städte – bündeln Milliarden an Fördergeldern. Leibniz-Institute sind in allen fünf Missionen aktiv beteiligt.

Häufige Fragen zur nachhaltigen Forschung

Was versteht man unter nachhaltiger Forschung?
Nachhaltige Forschung bezeichnet wissenschaftliche Arbeit, die ökologische, soziale und ökonomische Verantwortung in den Forschungsprozess integriert – durch ressourcenschonende Methoden, offene Datenpraktiken und gesellschaftlich relevante Fragestellungen.
Wie trägt die Leibniz-Gemeinschaft zur Umweltforschung bei?
Die Leibniz-Gemeinschaft betreibt mit 97 Instituten Umweltforschung in Bereichen wie Gewässerökologie, Klimafolgen und Biodiversität. Seit 2021 verfolgt sie eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie mit messbaren CO₂-Reduktionszielen bis 2030.
Was ist ein Green Lab?
Ein Green Lab ist ein Forschungslabor, das seinen Energie- und Ressourcenverbrauch systematisch reduziert – durch effiziente Geräte, Mehrweglösungen, optimiertes Chemikalienmanagement und zertifizierte Nachhaltigkeitsstandards wie My Green Lab.
Wie wird nachhaltige Forschung in Deutschland gefördert?
Nachhaltige Forschung wird durch EU Horizon Europe, das BMBF und institutsinterne Programme gefördert. Nachhaltigkeit ist bei vielen Ausschreibungen inzwischen ein Pflichtkriterium, keine optionale Ergänzung mehr.
Kann ich als Privatperson zur nachhaltigen Forschung beitragen?
Ja, über Citizen-Science-Plattformen wie iNaturalist oder das NABU-Insektenmonitoring kannst du wissenschaftlich verwertbare Daten liefern. Dein Smartphone reicht – kein Studienabschluss nötig.
Welche Leibniz-Institute forschen besonders aktiv zu Umweltthemen?
Das IGB Berlin (Gewässerökologie), das Senckenberg Institut (Biodiversität) und das ZALF (Landschaftsforschung) gehören zu den aktivsten Leibniz-Instituten im Bereich Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung.
Was sind die FAIR-Prinzipien in der Forschung?
FAIR steht für Findable, Accessible, Interoperable, Reusable – also auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar. Diese Prinzipien sorgen dafür, dass Forschungsdaten offen geteilt und nachgenutzt werden können.
Meine Empfehlung: Nachhaltige Forschung ist kein Luxus für gut finanzierte Großinstitute. Sie ist eine Haltung – und die kostet zunächst vor allem Zeit und Aufmerksamkeit. Fang klein an: Schau dir den Energieverbrauch deines Labors an, sprich mit deinem Team über Einwegplastik, und melde dich für einen Citizen-Science-Kurs an. Die großen Transformationen beginnen immer mit kleinen, konkreten Schritten. Wer mehr über die strukturellen Grundlagen der deutschen Forschungslandschaft verstehen will, dem empfehle ich unseren Überblick zur Leibniz-Gemeinschaft Deutschland – ein guter Einstieg, um zu verstehen, wer hier eigentlich die Fäden zieht.
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