Auf einen Blick

Die Finanzierung von Forschung in Deutschland basiert auf zwei Säulen: der institutionellen Grundfinanzierung durch Bund und Länder sowie wettbewerblich vergebenen Drittmitteln von DFG, EU und privaten Stiftungen. Leibniz-Institute erhalten ihre Grundfinanzierung im Verhältnis 50:50 von Bund und Sitzland. Drittmittel machen bei vielen Einrichtungen bereits 30–50 % des Gesamtbudgets aus. Wer die Spielregeln kennt, hat deutlich bessere Chancen auf Förderung.

Was bedeutet Finanzierung von Forschung überhaupt?

Die Finanzierung von Forschung bezeichnet alle finanziellen Mittel, die wissenschaftliche Einrichtungen, Universitäten und Forschungsgruppen benötigen, um ihre Arbeit durchzuführen – von Personalkosten über Laborausstattung bis hin zu Publikationsgebühren und Reisekosten für Konferenzen.

Das klingt simpel. Ist es aber nicht. Denn hinter jedem Forschungsbudget steckt ein komplexes Geflecht aus politischen Entscheidungen, Förderprogrammen, Evaluierungsverfahren und strategischen Überlegungen. Wer als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler nicht versteht, wie dieses System funktioniert, verschenkt bares Geld – im wahrsten Sinne.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Finanzierungsarten:

  • Institutionelle Grundfinanzierung: Feste Mittel, die eine Einrichtung unabhängig von einzelnen Projekten erhält.
  • Drittmittel: Wettbewerblich eingeworbene Gelder von externen Geldgebern wie DFG, EU-Kommission, Bundesministerien oder privaten Stiftungen.
Gut zu wissen: Der Begriff „Drittmittel" stammt daher, dass die Hochschule selbst der „erste" Mittelgeber ist, das jeweilige Bundesland der „zweite" – und alle weiteren externen Quellen eben der „dritte" Geldgeber. Historisch gewachsen, heute fest im Sprachgebrauch verankert.

Wie die Leibniz-Gemeinschaft finanziert wird

Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Paradebeispiel dafür, wie institutionelle Forschungsfinanzierung in Deutschland organisiert ist. Die rund 97 Leibniz-Institute erhalten ihre Grundfinanzierung nach dem sogenannten Leibniz-Finanzierungsmodell: Bund und das jeweilige Sitzland teilen sich die Kosten im Verhältnis 50:50.

Das klingt fair – und ist es auch, zumindest auf dem Papier. In der Praxis bedeutet es, dass ein Institut in einem finanzschwachen Bundesland strukturell benachteiligt sein kann, wenn das Land seine Anteile nicht vollständig aufbringt. Genau deshalb ist die Evaluierung durch den Wissenschaftsrat so entscheidend: Sie sichert Qualitätsstandards und damit den Anspruch auf Bundesförderung.

Leibniz-Gemeinschaft in Zahlen

Laut aktuellem Jahresbericht der Leibniz-Gemeinschaft beläuft sich das Gesamtbudget der Gemeinschaft auf rund 2,1 Milliarden Euro jährlich. Davon stammen etwa 1,4 Milliarden aus der institutionellen Förderung – der Rest sind Drittmittel, die die Institute selbst einwerben.

Finanzierungsquelle Anteil am Gesamtbudget Beispielbetrag (Leibniz gesamt) Vergabemodus
Bund (institutionell) ~33 % ca. 700 Mio. € Festbetrag nach Evaluierung
Sitzland (institutionell) ~33 % ca. 700 Mio. € Festbetrag nach Evaluierung
DFG-Drittmittel ~12 % ca. 250 Mio. € Wettbewerblich, projektbezogen
EU-Fördermittel (Horizon) ~8 % ca. 170 Mio. € Wettbewerblich, projektbezogen
Bundesministerien (BMBF etc.) ~7 % ca. 145 Mio. € Ausschreibungsbasiert
Sonstige (Stiftungen, Wirtschaft) ~7 % ca. 145 Mio. € Variabel

Quelle: Leibniz-Gemeinschaft Jahresbericht, eigene Zusammenstellung auf Basis öffentlich verfügbarer Daten.

Die wichtigsten Quellen für Forschungsmittel im Überblick

Wer Forschungsmittel einwerben will, steht vor einer unübersichtlichen Förderlandschaft. Hier sind die wichtigsten Akteure – und was sie wirklich auszeichnet.

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Die DFG ist die wichtigste Drittmittelgeberin für die Grundlagenforschung in Deutschland. Ihr Jahresbudget liegt bei rund 3,5 Milliarden Euro. Das Besondere: Die DFG finanziert sich selbst aus Bundesmitteln und Länderbeiträgen, vergibt die Mittel aber nach dem Prinzip der wissenschaftlichen Selbstverwaltung. Peer Review ist hier keine Floskel, sondern gelebte Praxis.

Wichtige DFG-Förderlinien sind Einzelprojekte (Sachbeihilfe), Schwerpunktprogramme, Forschergruppen, Sonderforschungsbereiche (SFB) und der Exzellenzcluster. Letztere sind mit bis zu 10 Millionen Euro pro Jahr die Königsklasse der deutschen Forschungsfinanzierung.

EU-Rahmenprogramm Horizon Europe

Mit einem Gesamtvolumen von 95,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021–2027 ist Horizon Europe das weltweit größte Forschungsförderprogramm. Für deutsche Einrichtungen ist es eine riesige Chance – aber auch eine echte Herausforderung. Die Antragsverfahren sind aufwendig, die Konkurrenz europaweit, und die Erfolgsquoten liegen bei manchen Ausschreibungen unter 10 %.

Tipp: Wer erstmals EU-Mittel beantragen möchte, sollte unbedingt die National Contact Points (NCPs) nutzen. Diese kostenfreien Beratungsstellen – in Deutschland koordiniert durch das BMBF – helfen bei der Antragstellung und erhöhen die Erfolgschancen messbar. Viele Antragsteller unterschätzen diesen Service.

Bundesministerien: BMBF und BMWK

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist neben der DFG der zweite große staatliche Förderer. Anders als die DFG fördert das BMBF stärker anwendungsorientierte Forschung und strategische Prioritäten – von Quantencomputing bis zu Pandemievorsorge. Das Jahresbudget für Forschungsförderung liegt bei über 6 Milliarden Euro.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) wiederum fördert vor allem Innovationsvorhaben mit Wirtschaftsbezug, etwa über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).

Drittmittel erfolgreich einwerben: So geht es Schritt für Schritt

Drittmittelakquise ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. Und muss. Denn die Grundfinanzierung reicht in den seltensten Fällen aus, um ambitionierte Forschungsprojekte zu stemmen. Hier ist ein bewährter Prozess:

  1. Forschungsfrage schärfen: Bevor du irgendeinen Antrag schreibst, musst du deine Frage so präzise formulieren, dass ein fachfremdes Gutachtergremium den Mehrwert sofort erkennt. Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht. Viele Anträge scheitern an einer zu vagen Problemstellung.
  2. Passende Förderlinie identifizieren: Nicht jede Förderlinie passt zu jedem Projekt. Nutze die Förderdatenbank des Bundes (foerderdatenbank.de) und die DFG-Förderatlas-Daten, um systematisch zu suchen. Frage auch dein Forschungsreferat – die kennen aktuelle Ausschreibungen oft früher als du.
  3. Vorarbeiten dokumentieren: Gutachterinnen und Gutachter wollen sehen, dass du nicht bei null anfängst. Publikationen, Vorprojekte und Kooperationen sind dein Kapital. Investiere Zeit in eine überzeugende Darstellung deiner Track Record.
  4. Konsortium aufbauen (bei Verbundprojekten): Viele Förderprogramme – besonders auf EU-Ebene – bevorzugen oder verlangen Konsortien. Wähle Partner strategisch: Komplementäre Expertise, verlässliche Institutionen, möglichst unterschiedliche EU-Länder.
  5. Antrag professionell schreiben: Lass den Antrag von Kolleginnen und Kollegen gegenlesen, die nicht im Projekt stecken. Externe Perspektiven decken blinde Flecken auf. Viele Forschungsreferatsstellen bieten auch internes Lektorat an – nutze das.
  6. Budget realistisch kalkulieren: Zu knappe Budgets sind ein häufiger Fehler. Kalkuliere Personalkosten, Overheads, Reisen und Publikationsgebühren vollständig ein. Nachfinanzierungen sind mühsam und schaden dem Ruf.
  7. Fristen und Einreichungsmodalitäten prüfen: Klingt banal, ist aber entscheidend. Viele Förderer akzeptieren keine Nachreichungen. Plane mindestens zwei Wochen Puffer vor der Deadline ein – für technische Probleme, interne Freigaben und das unvermeidliche letzte Überarbeitungsrunde.

Forschungsbudgets strategisch planen

Ein gut geplantes Forschungsbudget ist mehr als eine Tabelle mit Zahlen. Es ist ein strategisches Dokument, das zeigt, wie eine Einrichtung ihre wissenschaftlichen Ziele mit verfügbaren Ressourcen in Einklang bringt.

Leibniz-Institute müssen ihre Budgets im Rahmen der Programmbudgetierung transparent ausweisen – aufgeteilt nach Forschungsbereichen, Personalgruppen und Drittmittelprojekten. Das schafft Rechenschaftspflicht, aber auch Planungssicherheit.

Was viele unterschätzen: Die indirekten Kosten (Overhead) machen bei Forschungsprojekten oft 20–30 % des Gesamtbudgets aus. Dazu zählen Verwaltung, IT-Infrastruktur, Bibliotheksnutzung und Gebäudekosten. Wer diese nicht einkalkuliert, subventioniert seine Drittmittelprojekte aus der Grundfinanzierung – ein strukturelles Problem, das viele Einrichtungen kennen.

Gut zu wissen: Die DFG erlaubt seit 2019 eine pauschale Programmpauschale von 22 % auf die direkten Projektkosten. Diese Mittel fließen an die Einrichtung – nicht an das Projekt – und sollen genau diese Overhead-Kosten abdecken. Trotzdem reicht die Pauschale in der Praxis oft nicht aus.

Aktuelle Herausforderungen bei der Forschungsfinanzierung

Wer glaubt, die Forschungsfinanzierung in Deutschland sei ein gut geöltes System ohne Reibungsverluste, hat noch nie einen Drittmittelantrag geschrieben. Es gibt echte strukturelle Probleme – und die sollte man kennen.

Das Problem der „Projektifizierung"

Immer mehr Forschung wird über kurzfristige Projekte finanziert statt über stabile Grundmittel. Das hat Folgen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbringen einen wachsenden Teil ihrer Arbeitszeit mit Antragschreiben statt mit Forschen. Studien zeigen, dass Forschende an deutschen Universitäten bis zu 30 % ihrer Arbeitszeit für Drittmittelakquise aufwenden. Das ist eine enorme Ressourcenverschwendung.

Befristete Stellen als Strukturproblem

Drittmittelfinanzierte Stellen sind per Definition befristet. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) setzt enge Grenzen. Das Ergebnis: Eine Generation hochqualifizierter Forschender hangelt sich von Vertrag zu Vertrag – mit negativen Folgen für Planbarkeit, Familiengründung und letztlich auch für die Qualität der Forschung.

Internationale Konkurrenz um Forschungsmittel

Horizon Europe ist zwar eine riesige Chance, aber auch ein Wettbewerb gegen die besten Forschungsgruppen Europas. Deutsche Einrichtungen sind gut positioniert – aber nicht unschlagbar. Länder wie die Niederlande oder die Schweiz haben in den letzten Jahren ihre Erfolgsquoten systematisch verbessert, unter anderem durch gezielte Antragstrainings und professionelle Projektmanagement-Strukturen.

Wohin entwickelt sich die Forschungsfinanzierung?

Die Trends sind klar: mehr Wettbewerb, mehr Internationalisierung, mehr Anforderungen an Transparenz und gesellschaftliche Relevanz. Open Science, Open Access und die Forderung nach messbarem gesellschaftlichem Impact verändern, wie Forschungsmittel vergeben werden.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Grenzen des Drittmittelsystems. Der Wissenschaftsrat hat in mehreren Stellungnahmen auf die Notwendigkeit einer stärkeren Grundfinanzierung hingewiesen. Ob die Politik darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

Was sicher ist: Einrichtungen, die ihre Finanzierungsstrategien professionalisieren – mit klaren Prioritäten, gut ausgebildetem Forschungsmanagement und starken internationalen Netzwerken – werden auch in einem härteren Wettbewerbsumfeld erfolgreich sein.

Häufige Fragen zur Finanzierung von Forschung

Was ist der Unterschied zwischen Grundfinanzierung und Drittmitteln in der Forschung?
Die Grundfinanzierung sind feste institutionelle Mittel von Bund und Ländern, unabhängig von einzelnen Projekten. Drittmittel werden wettbewerblich von externen Geldgebern wie DFG, EU oder Stiftungen für konkrete Projekte eingeworben.
Wie wird die Leibniz-Gemeinschaft finanziert?
Leibniz-Institute erhalten ihre institutionelle Grundfinanzierung zu gleichen Teilen von Bund und dem jeweiligen Sitzland (50:50). Zusätzlich werben die Institute eigenständig Drittmittel bei DFG, EU und anderen Förderern ein.
Welche Förderprogramme gibt es für Forschungsprojekte in Deutschland?
Die wichtigsten Förderprogramme sind DFG-Sachbeihilfen und Sonderforschungsbereiche, BMBF-Fachprogramme, EU-Horizon-Europe-Ausschreibungen sowie Förderprogramme von Bundesstiftungen wie der VolkswagenStiftung oder der Fritz Thyssen Stiftung.
Wie hoch ist die Erfolgsquote bei DFG-Anträgen?
Die durchschnittliche Bewilligungsquote bei DFG-Einzelanträgen liegt bei etwa 30–35 %. Bei Sonderforschungsbereichen und Exzellenzclustern ist die Konkurrenz deutlich höher, die Erfolgsquoten liegen dort teils unter 20 %.
Was sind indirekte Kosten (Overhead) bei Forschungsprojekten?
Indirekte Kosten umfassen alle Ausgaben, die nicht direkt einem Projekt zugeordnet werden, aber für dessen Durchführung nötig sind: Verwaltung, IT-Infrastruktur, Gebäude und Bibliotheksnutzung. Sie machen typischerweise 20–30 % des Projektbudgets aus.
Wie viel Zeit verbringen Forschende mit Drittmittelanträgen?
Studien zeigen, dass Forschende an deutschen Hochschulen und Instituten bis zu 30 % ihrer Arbeitszeit für Drittmittelakquise und Berichtspflichten aufwenden. Das ist ein anerkanntes Strukturproblem im deutschen Wissenschaftssystem.
Was ist Horizon Europe und wie können deutsche Forschende davon profitieren?
Horizon Europe ist das EU-Forschungsrahmenprogramm mit 95,5 Milliarden Euro für 2021–2027. Deutsche Einrichtungen können über Einzelprojekte, Verbundprojekte und ERC-Grants gefördert werden. Beratung bieten die nationalen Kontaktstellen (NCPs) des BMBF.
Meine Empfehlung: Wer in der Forschung arbeitet und noch kein systematisches Drittmittelmanagement betreibt, sollte damit sofort anfangen – unabhängig von der Karrierestufe. Die Förderlandschaft ist komplex, aber lernbar. Investiere Zeit in die Beziehung zu deinem Forschungsreferat, besuche mindestens einmal ein Antragstraining der DFG oder deiner Förderinstitution, und baue dir ein Netzwerk aus erfolgreichen Antragstellerinnen und Antragstellern auf. Die besten Tipps kommen nicht aus Leitfäden, sondern von Menschen, die es schon gemacht haben. Und: Lass dich von einer Ablehnung nicht entmutigen. Die meisten erfolgreichen Forschenden haben mehr abgelehnte als bewilligte Anträge in ihrer Schublade.