Wie sollten wissenschaftliche Bibliotheken angesichts von Science 2.0 agieren?

Welche Chancen und Risiken bietet Science 2.0 für wissenschaftliche Bibliotheken? Wie könnten sie die Entwicklungen aufgreifen und passend agieren? Diese für Bibliotheken relevanten Fragen behandelte ein Workshop der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft für den Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 beim Bibliothekartag in Bremen. Ein Überblick über die Workshop-Ergebnisse.

Der 103. Deutsche Bibliothekartag in Bremen, die größte jährliche Veranstaltung der deutschsprachigen Bibliothekswelt, bot die Chance, sich mit Personen aus anderen Bibliotheken darüber auszutauschen, was sie bewegt und wie sie mit dem Thema Science 2.0 in ihren Einrichtungen umgehen. Unter dem Titel „Zusehen, reagieren, agieren? Wie gehen wissenschaftliche Bibliotheken mit dem Wandel wissenschaftlichen Arbeitens um?“ startete der Workshop am 04.06.2014. Nach zwei Impulsvorträgen von Dr. Guido Scherp, der das Thema Science 2.0 sowie den entsprechenden „Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0“ vorstellte und die Relevanz des Themas für (wissenschaftliche) Bibliotheken erläuterte (http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2014/1571/), und Prof. Dr. Isabella Peters, die Forschungsergebnisse aus den Projekten des Verbunds vorstellte (http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2014/1572/), konnten die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Diskussionsgruppen in einem abgewandelten „World Café“-Format ihre Erfahrungen und Ideen austauschen. Dabei wurden zwei zentrale Fragestellungen (s.u.) behandelt.

Hier eine Auswahl der Workshop-Ergebnisse:

Welche Chancen und Risiken sehen Sie durch Science 2.0 für wissenschaftliche Bibliotheken?

Insgesamt sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr viele Chancen in dem Thema „Science 2.0“ für Bibliotheken. Dazu gehört die Chance, die Rolle von Bibliotheken neu zu definieren bzw. ihre Führungsrolle in der Informationsversorgung zurückzuerobern, etwa indem sie innerhalb ihrer Organisation dazu beitragen, die neuen „Kernprozesse“ wissenschaftlichen Arbeitens zu erklären. Die Chance von Bibliotheken zur Profilierung als nicht-kommerzielle Player wurde ebenso gesehen wie Chancen durch eine stärkere Nutzerbeteiligung und Zusammenarbeit von Bibliotheken.

Bei den Risiken wurde neben den „bekannten Risiken“ des Öffentlichen Dienstes wie Personal- und Ressourcenknappheit vor allem das Risiko gesehen, dass die Entwicklung komplett an Bibliotheken vorbei geschieht: „Ohne vernünftige Science 2.0-Strategie droht die Bedeutungslosigkeit der (Universitäts-) Bibliotheken.“

Gleichzeitig besteht die Angst vor einem Imageverlust von Bibliotheken durch die Verwendung sozialer Medien und vor dem Risiko, sich zu verzetteln. Auch wurden Bedenken zu rechtlichen Aspekten, wie dem Datenschutz, genannt.

Wie sollten wissenschaftliche Bibliotheken auf die Chancen & Risiken durch Science 2.0 agieren?

Um angesichts der Chancen und Risiken gut agieren zu können, müssen Bibliotheksmitarbeiterinnen und –mitarbeiter „unheimlich viel lernen“ und die neuen Angebote im Kontext von Science 2.0 sowie ihre Nutzerinnen und Nutzer besser kennenlernen, z. B. indem „Kollegen einander neue Tools/Methoden beibringen“ und durch gezielte Nutzeranalyse. Da Bibliotheken nicht alles machen und im Auge behalten können, ist gleichzeitig Fokussierung und Mut zur Lücke gefragt.

Bibliotheken müssen sich in diesem Zuge ein neues Selbstbewusstsein schaffen. Sie brauchen Mut zur ständigen Weiterentwicklung, die auch gemeinsam mit den Forschenden geschehen sollte.  Da die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sehr unterschiedliche Kulturen haben, muss auch die Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Communities unterschiedlich gestaltet werden. Es gibt kein Patentrezept.

Bibliotheken müssen sich neu definieren und am eigenen Image arbeiten. Möglicherweise könnten Bibliotheken als „Netzknoten für Science 2.0“ fungieren, sich als „Berater“ zu Themen wie „Recht“ und richtige Nutzung, nicht als „Wächter“ positionieren. Die Einführung von Social Media-Coaches in Bibliotheken könnte ein Angebot in dieser Richtung sein.

Diskussionsgruppen beim Workshop Science 2.0 auf dem Bibliothekartag 2014
Diskussionsgruppen beim Science 2.0-Workshop

In einem abschließenden Vortrag nach der Vorstellung der Ergebnisse der Diskussionsgruppen rief Birgit Fingerle die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu auf, wachsam zu sein für potentielle disruptive Innovationen durch Science 2.0, und erinnerte daran, dass es nicht reicht, über Ideen zu diskutieren oder Entscheidungen zu treffen, sondern dass ihre Umsetzung gefordert ist (http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2014/1573/).

Der Workshop hat uns sehr viel Spaß gemacht und hat in vielen Dingen unser Tun bestätigt (auch dass es gut passte, ein interaktives Format auf dem Bibliothekartag anzubieten). Science 2.0 ist ein Thema, das sowohl die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, als auch die Bibliothekscommunity betrifft. Das Potential liegt in der Zusammenarbeit der Bibliotheken untereinander und mit den Forschenden, beispielsweise um die Bedürfnisse der eigenen Nutzerinnen und Nutzer in Zeiten von sozialen Medien besser zu verstehen. Dabei müssen Bibliotheken selbstbewusst auftreten und entschlossen agieren. Um es mit Statements von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Science 2.0 in Bibliotheken zu sagen: „Keine Angst vor dem Scheitern“, „selbst ausprobieren“, „einfach anfangen“!

Birgit Fingerle / Guido Scherp / Isabella Peters

Fotos der Metaplanwände aus den Diskussionsgruppen
Gruppe 1: Foto 1, Foto 2
Gruppe 2: Foto 1
Gruppe 3: Foto 1, Foto 2


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