Netiquette und Profile in Science 2.0 : Rollenassoziierte Kommunikation und Selbstdarstellung als Forscher/in und Privatperson im Social Web

Inhaltliche Beschreibung des Themas

Anders als in konventionellen geschlossenen Forschungsnetzwerken eröffnet die Entwicklung des Web 2.0 neue Arten der Kommunikation über Hierarchie- und Fachgrenzen hinweg und ermöglicht zudem (teilweise) die Partizipation der breiten Öffentlichkeit. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten der Kommunikation und Selbstdarstellung. Bislang ist diesbezüglich unklar, inwieweit sich für diese neuen Kommunikationssituationen bereits Konventionen und ungeschriebene Regeln herausgebildet haben und inwieweit die Verletzung bestehender Kommunikationskonventionen zu (sozialen) Sanktionen führen kann. Zudem verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen den verschiedenen sozialen Rollen der einzelnen Person als Forscher/in versus als Privatperson (im Sinne von „Online Personae“ nach Ranzini & Fieseler). Dienste wie Twitter können beispielsweise sowohl zur wissenschaftlichen als auch privaten Kommunikation genutzt werden. Durch soziale Netzwerke wie Facebook sind teilweise auch private Informationen über die einzelnen Forschenden (jenseits des üblichen Curriculum Vitae) für jedermann einsehbar.

Ziel dieses Projektes ist es, vor diesem Hintergrund die Kommunikation und Selbstdarstellung von Forschenden im Web 2.0 zu untersuchen. Neben allgemeinen Kommunikationskonventionen, ungeschriebenen Regeln und möglichen Sanktionen wird zudem die Relation zwischen der Selbstdarstellung des/der Forschenden in Science 2.0 und der Präsenz als Privatperson im Web 2.0 analysiert.

Die inhaltliche Ausrichtung des Projektes umfasst dabei unter anderem die folgenden Fragestellungen (exemplarische unvollständige Auflistung):

  • Nutzen Forschende Soziale Medien (SoM) eher zu privaten oder beruflichen Zwecken? Was sind Nutzungsintentionen? Was sind zentrale Zielgruppen? Welche Impression-Management-Strategien leiten sich daraus ab? Wie verhalten sich private zu beruflichen Profilen in SoM?
    • Welche Netzwerke und SoM werden dafür jeweils genutzt?
    • Mehrere Accounts parallel im gleichen SoM (z. B. Twitter)?
  • Welche Konventionen und ungeschriebenen Regeln existieren bereits in den verschiedenen Forschungsnetzwerken und SoM-Kanälen (Bsp.: Duzen/Siezen; Profileinstellungen; anonyme Kommentare; Angemessenheit von Kritik …)?
  • Welchen Einfluss hat die akademische Hierarchie (Bsp.: Studis versus Profs – wer kontaktiert wen? Einfluss von Geschlecht? Interaktion Geschlecht x Hierarchie)? Unterscheidet sich dieser Einfluss je nach genutztem SoM und der eingenommenen Rolle (privat – beruflich)?
  • Welche Konsequenzen/Sanktionen zieht eine Verletzung der Konventionen und ungeschriebenen Regeln nach sich?
  • Inwieweit dienen Konventionen und Sanktionen der Schaffung einer nötigen Vertrauensbasis für die wissenschaftliche Interaktion in Web 2.0 (Bsp.: unangemessene anonyme Kommentare)? Inwieweit hängt dies mit wissenschaftlicher Ethik/Sorgfalt und Open Science zusammen?
  • Inwieweit beeinflussen die technischen Möglichkeiten die Konventionen und ungeschriebenen Regeln (Bsp.: Sichtbarkeit der Profilbesucher, Möglichkeit anonymer Kommentare)?

Erste Vorarbeiten

  • Diplomarbeit an der Universität St. Gallen zur Wahrnehmung der Umgangsregeln auf verschiedenen sozialen Netzwerken aus Sicht von Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern (Kontakt: Prof. Dr. Christian Hoffmann)
  • Fragebogen zur Netiquette zwischen Studierenden und Dozierenden auf Facebook (Kontakt: Dr. Stephanie Linek)

Projektergebnisse und Publikationen

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